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Wohnimmobilienpreise werden weiter nach oben klettern

Foto: BGNES

Was den Immobilienmarkt in Bulgarien angeht, hat sich 2021 als das beste der letzten 12 Jahre erwiesen. Angaben der Eintragungsagentur zufolge ist die Zahl der abgeschlossenen Immobiliendeals in Sofia im dritten Quartal 2021 im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum 2020 um 20 Prozent gestiegen. Der Kauf von Wohnungen hat sich vor allem wegen der wachsenden Inflation, der Nullzinsen auf Einlagen und der hohen Gebühren der Banken in eine sichere und ertragreiche Investition verwandelt. Niedrige Hypothekenzinsen unterstützen ebenfalls diesen Trend, insbesondere was die Nachfrage nach Neubauten und Investitionen in Immobilien „auf der grünen Wiese“ betrifft. Andererseits hat das große Interesse an Immobilien zum Rückgang der Angebote geführt.

Nach dem Verkauf einer Immobilie wollen die Menschen wieder investieren. Bei neuen Projekten stoßen sie jedoch auf Verzögerungen, weil die Preise der Baumaterialien stetig wachsen. Und das hat einen Anstieg der Immobilienpreise zur Folge. Vertreter der Immobilienbranche erklären deshalb, dass der Preisanstieg der Realität entspricht.

Ja, es gibt einen Preisanstieg, aber er liegt in den Großstädten laut der nationalen Statistik bei durchschnittlich 10-11 Prozent jährlich. Dieses Wachstum kann jedoch nicht als „Blase“ bezeichnet werden“, sagte er in einem Interview für den Bulgarischen Nationalen Rundfunk Dobromir Ganew, Vorsitzender der Nationalen Vereinigung „Immobilien“. „Die Faktoren, die den Markt in den letzten ein oder zwei Jahren und insbesondere im Jahr 2021 beeinflusst haben und auch 2022 beeinflussen werden, sind nicht einer oder zwei an der Zahl. Laut der Baukammer sind die Preise der Baumaterialien um durchschnittlich ca. 30 Prozent gestiegen. Es gibt aber auch solche, die um über 100 Prozent gestiegen sind. Das wirkt sich natürlich auf den Bau und somit auch auf die endgültigen Marktpreise aus.“

Angaben des Nationalen Statistikamtes zufolge wird in den meisten Großstädten ein erheblicher Teil der Einkäufe mit Ersparnissen getätigt, während diejenigen mit Hypotheken etwa 25-35 Prozent ausmachen, im Gegensatz zu Sofia, wo sie bei 50 Prozent liegen. Laut Dobromir Ganew haben die Gesundheitskrise selbst, Restriktionen, Homeoffice und Fernunterricht die Menschen veranlasst, nach geräumigeren Wohnungen zu suchen. Allein im Jahr 2020 haben ca. 200.000 Bulgaren ihren Wohnort von einer größeren in eine kleinere Stadt gewechselt, um mehr Zugang zur Natur und mehr Luft zu haben. Viele Menschen entscheiden sich auch für den Kauf einer Zweitwohnung.

In den letzten zwei, drei Jahren zeichnet sich eine neue Gruppe an Käufern auf dem Immobilienmarkt ab, betonen Branchenkenner. Das sind junge Leute unter 25-30, die ihren ersten Job mit einem Einkommen antreten, das weit über dem Durchschnitt in Sofia liegt.

„Momentan gehören Zweizimmerwohnungen zu den meistverkauften auf dem Markt“, sagte die Immobilienmaklerin Penka Mitowa. „Einige Kunden nutzen sie für Investitionen, andere für Wohnungen. Die meisten sind junge Familien, Menschen, die in der IT-Branche oder in Outsourcing-Unternehmen tätig sind. Bulgaren, die im Ausland arbeiten, kaufen ebenfalls Wohnungen, um zu investieren. Es gibt viele Kunden vom Land, die für ihre Kinder Wohnungen kaufen, anstatt hohe Mieten zu zahlen. Zu dieser Kategorie gehören auch viele Griechen, die Wohnungen für ihre Kinder kaufen, die in Sofia Medizin studieren. Unter den Immobilienkäufern vom Land gibt es auch unternehmungslustige Menschen, die kaufen und gewinnbringend weiterverkaufen. Die Nachfrage nach Immobilien ist hoch, deshalb werden die Preise auch in diesem Jahr weiter nach oben klettern“, prognostiziert der Maklerin.

Sollte sich der Trend mit den niedrigen Hypothekenzinsen halten, wie Experten erwarten, werden Nachfrage und Kauf von Immobilien auch 2022 im gleichen Tempo weitergehen. Sicher ist, so Vertreter der Immobilienagenturen, dass die Inflation den Markt zumindest in den ersten Monaten dieses Jahres noch stark beeinflussen wird. Andererseits werden die wachsenden Ersparnisse der Käufer und ihr Wunsch, sie zu erhalten, den Anteil der Geschäfte mit Bargeld erhöhen.

Übersetzung: Rossiza Radulowa

Fotos: BGNES, nsni.bg

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