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Fotos aus dem Russisch-Türkischen Krieg von 1877-78, die Ikonen gleichkommen

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Fotos: bereitgestellt von Iwo Hadschimischew

Der Russisch-Türkische Krieg, der zur Befreiung Bulgariens nach fünf Jahrhunderten osmanischer Fremdherrschaft geführt hat, ist der dritte Krieg, der von Militärfotografen gezielt fotografiert wurde. Mehrere Personen haben während des Krieges in der russischen Armee fotografiert, erzählt der Fotograf Iwo Hadschimischew, der seit Jahrzehnten in verschiedenen Archiven nach Fotos aus der Zeit der Befreiung Bulgariens sucht.

Der bekannteste Fotograf von russischer Seite ist A. D. Iwanow. Nur sein Nachname ist bekannt. Er heißt, er sei ein Weißrusse gewesen. Zu Beginn dieses Jahrhunderts ist es Iwo Hadschimischew mit Hilfe russischer Kollegen gelungen, im Moskauer „Archiv der Kino- und Fotodokumente“ die Fotoalben von Zar Alexander II. zu sehen, die über 600 Fotografien enthalten.

Russisches Regiment ruht in der Nähe der Eisenbahnlinie nach Edirne. Foto: A.D. Iwanow

Mit Spenden von einem bulgarischen Geschäftsmann konnte Iwo Hadschimischew die Nutzungsrechte für hundert ausgewählte Fotos kaufen. Später, als er die Wanderausstellung „Vergessene Fotografien aus dem Russisch-Türkischen Krieg“ vorbereitete, erfuhr er, dass der Direktor des Staatsarchivs in Warna, Welislaw Drjanowski, ein Album mit Fotos aus dem Krieg von Franz Dusak erhalten hat, dem Hoffotografen des rumänischen Königs Carol I.

„Wir haben diese beiden Fotosammlungen zusammengebracht, die sich sehr gut ergänzen. Denn A. D. Iwanow hat die Armee auf Schritt und Tritt begleitet. Er hatte fast keinen Zugang zu politischen Schlüsselfiguren, zum Hauptquartier. Ihm haben wir es aber zu verdanken, dass wir uns ein Bild vom Kriegsalltag vor Ort machen können. Im Gegensatz zu ihm wurde Dusak dank seines rumänischen Schutzherrn dort zugelassen, wo die wichtigsten politischen Fotos in diesem Krieg aufgenommen wurden“, erklärte Hadschimischew.

Pontonbrücke bei Swischtow. Foto: Franz Duszek

Ein anderer russischer Fotograf, Dmitrij Jarmakow, hat an der kaukasischen Front des Krieges gearbeitet. Aber die Namen der ausländischen Fotografen auf der anderen Seite der Front sind noch unbekannt. Hadschimischew hofft, dass diese Lücke geschlossen werden kann und sagt, dass für ihn die wichtigsten Szenen vom Krieg Aufnahmen des Volkes, der Zivilbevölkerung sind.

Türkische Flüchtlinge in Sofia, 1878. Foto: A.D. Iwanow

„Ein Kollege von mir macht Bücher über die Türken in Bulgarien und hat mich gebeten, ihm Fotos aus dem Russisch-Türkischen Krieg zu geben. Ich habe ihm zwei Fotografien angeboten, die wir legal vom „Archiv der Kino- und Fotodokumente“ erhalten haben. Auf der einen ist lokale türkische Bevölkerung zu sehen, die auf ihre Registrierung wartet, weil sie beschlossen hat, in Bulgarien zu bleiben. Das ist ein sehr wichtiges Foto, weil es erklärt, warum wir bis zum heutigen Tag mit diesen Menschen in Frieden leben. Das andere Foto zeigt Menschen mit Sachen, die sie aus verlassenen türkischen Häusern geplündert haben. Zu meiner großen Überraschung oder auch nicht, wurde das zweite Foto in das Buch aufgenommen und nicht das erste“, so Iwo Hadschimischew.

Russischer Offizier bei Edirne, 1878. Foto: A.D. Iwanow

Auf die Frage, welches sein Lieblingsfoto aus dem Krieg ist, hat uns Hadschimischew ohne zu zögern zwei davon geschildert. Das eine ist das Foto eines russischen Offiziers in der Nähe von Edirne, der auf die sich am nahen Horizont abzeichnenden Minarette der berühmten Süleymaniye-Moschee blickt. Die Moschee und die Umrisse der Stadt zeichnen sich in den Weiten Thrakiens wie ein romantischer Traum ab. Das andere Lieblingsfoto von Hadschimischew ist ein Posten im Nebel des Passes von Arabakonak während der Winterüberquerung des Balkans.

Russischer Wachposten am Arabakonak-Pass, 1878 Foto: A.D. Iwanow

„Es war fast unsichtbar. Wir haben von Russland einige nicht sehr hochwertige Schwarz-Weiß-Reproduktionen auf einem sehr kontrastierenden sowjetischen Fotopapier erhalten. Bei der Digitalisierung dieser Bilder wurde das Foto buchstäblich aus einer grauen, schwer zu unterscheidenden Masse geboren“, erzählte der Künstler-Fotograf über die Bearbeitung der Archivaufnahmen.

Viele der Fotos, die Szenen aus dem Krieg dokumentieren, wurden später als Gravüren gedruckt oder von Künstlern als Gemälde nachgebildet. „Ich möchte noch einmal wiederholen: Diese Bilder sind für uns wie Ikonen, sehr wichtig, sehr wertvoll“, so Iwo Hadschimischew abschließend.

Übersetzung: Rossiza Radulowa

Fotos: bereitgestellt von Iwo Hadschimischew

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