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Lars Nordby – wie ein bildender Künstler aus Norwegen sich entschieden hat, in Weliko Tarnowo zu leben und zu schaffen

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Foto: Privatarchiv

Einen Hauch von Modernismus und abstrakter Schönheit - das bietet eine winzige Galerie in der ehemaligen bulgarischen Hauptstadt mit tausendjähriger Geschichte Weliko Tarnowo an, wo die Vergangenheit allgegenwärtig ist. Aber in einer ruhigen Straße im Stadtzentrum findet man sich in einer anderen Realität wieder, die nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die Gegenwart und sogar auf die Zukunft ausgerichtet ist.

Die Galerie für zeitgenössische Kunst „Heerz Tooya“ wurde 2019 von dem norwegischen bildenden Künstler Lars Nordby gegründet. Dort stellen Künstler, die in der Künstlerresidenz im nahe gelegenen Dorf Wischowgrad zu Gast sind, ihre Werke aus. Der Vater von Lars ist ebenfalls Künstler und hat 2005 ein altes Haus im Dorf gekauft, das er nach und nach in einen kulturellen Begegnungsort für Künstler aus der ganzen Welt verwandelt hat.

Als Lars 2017 zum ersten Mal Wischowgrad besuchte, entflammte er für die Idee, die Initiative weiterzuführen. So entstand zwei Jahre später die Galerie, benannt nach einer seltenen Mottenart, die in Mexiko entdeckt wurde. Jeden Sommer treffen sich Künstler aus den Niederlanden, Dänemark, Schweden und anderen Ländern in Wischowgrad, um zu schaffen, wonach ihre Werke in der Galerie „Heerz Tooya“ im Herzen von Weliko Tarnowo ausgestellt werden.

„Ich wollte unbedingt einen Ort für zeitgenössische Kunst initiieren. Es gibt hier nicht viele solcher Räume und ich dachte, es wäre nicht nur für die Stadt selbst gut, sondern auch für mich, weil ich eine kreative Residenz leite, in der Künstler arbeiten, die sich mit zeitgenössischer Kunst befassen. Wir kommen hauptsächlich im Sommer zusammen, von Mai bis September. Außerhalb dieser Saison stellen auch bulgarische und andere Künstler in der Galerie aus. Wir machen also durchschnittlich ein bis drei Ausstellungen pro Monat. Wir leben in einer kleinen Stadt, aber wir haben einen vollen Terminkalender. Die Galerie ist gewachsen, wir haben Verbindungen zu anderen Galerien und Kulturinstituten im Land und viele Menschen besuchen uns, auch Touristen“, sagte Lars Nordby.

Er selbst erkundet die unendlichen Weiten der Fotografie, Performance und Kunstinstallationen. 2016 hat Lars Nordby sein Studium an der Nationalen Kunstakademie in Oslo abgeschlossen. Seine Leidenschaft gilt der theatralen Ästhetik im Alltag und der Suche nach Identität und ideologischer Zugehörigkeit in der heutigen chaotischen Welt, die von Widersprüchen und Unsicherheit geprägt ist. Der visuelle Künstler aus Norwegen lehnt es jedoch ab, seine Kunst mit Politik zu verbinden. „In meinem täglichen Leben versuche ich, mich nicht auf negative Dinge zu fokussieren, sondern positiv und konstruktiv zu sein“, sagt Lars.

Im Jahr 2021 provozierte der Norweger die Besucher der Galerie „Credo Bonum“ in Sofia mit der Ausstellung ASTROTURFING AD HOCKERY, in der er auf der Suche nach der Grenze zwischen Kreativität und Leben verschiedene Kampfsportarten mit dem sozialen Umfeld vermischt hat.

Jetzt arbeitet Lars Nordby an einer Performance in Italien sowie an einem Fotoprojekt, das er dem Wiener Publikum vorstellen wird. Außerdem bereitet er sich auf seine nächste Ausstellung in Sofia vor, die im November im Institut für zeitgenössische Kunst eröffnet wird.

„In Zusammenarbeit mit der Kuratorin Sneschana Krastewa bereiten wir eine Konstellation aus meinen bisherigen Arbeiten in einem neuen Ausstellungsprojekt vor. Es wird eine Art Remix aus drei meiner früheren Ausstellungen von 2016 in Norwegen, Kopenhagen und Amsterdam sein. Das Konzept, an dem ich arbeite, ist eine Fortsetzung meiner künstlerischen Beschäftigung mit Identitätspolitik und Machtstrukturen aus der Perspektive von Theatralität und Alltag. Diese Kunstinstallation wird 3 Monate lang im Institut für zeitgenössische Kunst in Sofia zu sehen sein. Ich freue mich, dass ich auf diese Weise auch einen kreativen Gruß an meine bulgarischen Kollegen senden kann“, sagte Lars Nordby abschließend.

Übersetzung: Rossiza Radulowa

Fotos: Privatarchiv von Lars Nordby


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