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Dr. Katerina Takowa arbeitet an der Entwicklung eines Produkts zur Diagnose von Covid-19

Die Wissenschaftlerin wurde mit einem der drei Jahrespreise „Frauen in der Wissenschaft“ ausgezeichnet

Foto: Ani Petrowa

Frauen in der Wissenschaft brauchen besondere Ermutigung und Unterstützung, vor allem wenn sie gleichzeitig in die Rolle der engagierten Wissenschaftlerin, fürsorglichen Mutter und guten Ehefrau schlüpfen. Ein möglicher Anreiz für sie sind die Preise „Frauen in der Wissenschaft“, die ein globales Kosmetikunternehmen zusammen mit der UNESCO seit 12 Jahren an herausragende junge bulgarische Wissenschaftlerinnen vergibt. Vor wenigen Tagen wurde auch die Biologin Katerina Takowa-Sakalijska von der Plowdiwer Universität „Paisij von Hilendar“ mit diesem Preis ausgezeichnet.

Dr. Katerina Takowa hat sich zum Ziel gesetzt, ein kommerzielles Produkt für die Diagnose von Covid-19 zu entwickeln. Sie ist Postdoktorandin am Lehrstuhl für Pflanzenphysiologie und Molekularbiologie an der Universität „Paisij von Hilendar“ in Plowdiw.

„Ich gehöre einem Team an, das sich mit der Produktion signifikanter viraler Proteine in ganzen Tabakpflanzen beschäftigt“, sagt sie. „Und das Projekt, für das ich den Preis erhalten habe, betrifft die Produktion von SARS-CoV-2-Proteinen für die Diagnose spezifischer Antikörper gegen das Coronavirus. Es steckt noch in seiner Anfangsphase, aber wir haben ermutigende erste Ergebnisse und werden sie wahrscheinlich nächstes Jahr um diese Zeit bekannt geben“, sagte Dr. Katerina Takowa.

Sie hofft, dass sich mit Fortlauf der Forschungen biopharmazeutische Unternehmen finden, die Interesse für das im Plowdiwer Labor entwickelte Produkt bekunden. Und sie ist auch zuversichtlich, dass Wissenschaft und Wirtschaft sich die Hände reichen, damit die Innovationen einen praktischen Bezug haben. „Sowohl Wissenschaftler als auch Unternehmen suchen zunehmend Kontakt zueinander“, fügte sie hinzu.

Katerina Takowa entdeckte im Jahr 2015 die Arbeit im Labor als möglichen Weg für sich: „Ich bin dankbar, dass ich eine außergewöhnliche Frau kennengelernt habe, die mir den Weg in die Wissenschaft gewiesen hat. Das ist meine wissenschaftliche Leiterin Dr. Gergana Sachmanowa. Sie stand mir bereits während meiner Diplomarbeit zur Seite“. Mittlerweile konnte Katerina Takowa das Magisterprogramm „Molekularbiologie und Biotechnologie“ absolvieren, sich an der Universität der Algarve in Portugal spezialisieren, bei führenden Wissenschaftlern des „John Innes Centre“ in Norwich zu Gast sein, ihre Doktorarbeit über Pflanzenphysiologie verteidigen und sieben wissenschaftliche Veröffentlichungen mitverfassen. Als Grund für ihren Erfolg führt sie „bedingungslose Geduld“ an - eine rein weibliche Eigenschaft, die man in der Wissenschaft mitbringen muss, wo sich die Ergebnisse nicht so schnell einstellen.

Und da bei der Preisverleihung die Worte „Die Welt braucht die Wissenschaft“ oft zu hören waren, wollten wir von Katerina Takowa wissen, wer stärker in der Lage ist, Veränderungen herbeizuführen – die Wissenschaftler oder die Politiker?

„Ich bin der Überzeugung, dass die Partnerschaft zwischen Wissenschaftlern und Politikern die beste Strategie ist, weil wir ohne einander nicht auskommen können“, antwortete sie. „Wir haben unterschiedliche Fachkenntnisse und jeder kann etwas dazu beitragen. Generell ist Partnerschaft das Wichtigste für eine nachhaltige Entwicklung. Derzeit müssen wir vor allem unsere Prioritäten als Gesellschaft definieren. Wenn wir uns Ziele setzen und unsere Prioritäten schätzen, wird es viel einfacher sein, die Richtung zu finden, die wir einschlagen wollen.“

Und ist die Schule ein Partner der Wissenschaftler, wenn es ihr gelingt, ihre Absolventen für die Wissenschaft zu begeistern“

„Ein interessanter Fakt ist, dass ich fast vier Jahre lang Lehrerin war“, sagt die Wissenschaftlerin. „Das, was ich gesehen habe, bestärkt mich in meiner Auffassung, dass der Wissenschaft in der Schule ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Das Bildungsministerium verfolgt eine Strategie zum Aufbau von STEM-Zentren, die dazu beitragen sollen, naturwissenschaftliche Kenntnisse schon in jungen Jahren zu erwerben. Und ich glaube, dass sich die Partnerschaft vertiefen wird. Die Oberschulbildung wird sich zunehmend an der Hochschulbildung orientieren, die wiederum Anhaltspunkte in der Sekundarbildung finden kann.“

Obwohl sie etliche Chancen für eine Forschungskarriere im Ausland hatte, hat sich Katerina Takowa entschieden, in der Heimat zu bleiben. Hier hat sie die Grundlagen, die sie braucht, um ihr Potenzial zu entfalten. Natürlich bleibt immer auch einiges zu wünschen übrig. Wichtiger für sie jedoch ist, dass die Gesellschaft ihren Fokus auf die Wissenschaft richtet und die Arbeit der Wissenschaftler wertschätzt. „Die Voraussetzungen sind gut - wir haben Wissenschaftler, wir haben Infrastruktur, wir haben Partnerschaften und wir fangen keineswegs bei Null an“, ist Dr. Katerina Takova überzeugt.

Übersetzung: Rossiza Radulowa

Fotos: Ani Petrowa


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