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Archivbeitrag

Medizin in Bulgarien blickt auf 2000-jährige Geschichte zurück

| aktualisiert am 18.05.20 um 07:26
Chirurgische Instrumente aus dem 1./2. Jahrhundert u. Z., gefunden beim Dorf Karanowo nahe der südbulgarischen Stadt Nova Zagora.
Foto: Dr. Klassimir Koew
Der Mensch von heute kann immer weniger durch die Entdeckungen und Errungenschaften der modernen Medizin überrascht werden. Wir nehmen nunmehr völlig ruhig die Neuigkeiten über Organtransplantationen, Wiederannähen abgetrennter Gliedmassen und andere „Wunder“ der modernen Chirurgie auf. Wir gewöhnen uns schnell an die hohen Technologien und fragen uns sogar, was wohl die Zukunft der Medizin bringen wird. Selten richten wir den Blick in die Vergangenheit und das nur um mit Stolz festzustellen, welch einen großen Sprung die moderne Medizin gemacht hatte. Es hat sich aber herausgestellt, dass auch die antiken Zivilisationen uns überraschen können.

Ein Team von bulgarischen Archäologen entdeckte vor einigen Jahren beim Dorf Karanowo nahe der südbulgarischen Stadt Nova Zagora eine Nekropole mir 26 Grabhügeln aus dem Ende des I. und Anfang des II. Jahrhunderts u. Z. Einer der Funde war ein Pferdewagen mit vier großen Rädern und den Skeletten von zwei Pferden. Die andere interessante Entdeckung der Fachleute unter der Leitung des Archäologen Wesselin Ignatow war mit den medizinischen Fertigkeiten der alten Thraker verbunden.

Dr. Klassimir Koew, Dozent für Augenkrankheiten an der Medizinischen Universität in Sofia kommentierte die Funde der Archäologen. Laut ihm sei die medizinische Archäologie in Bulgarien, wie auch in den meisten Ländern nicht genug entwickelt. Sie könnte aber dazu verhelfen, eine Antwort auf viele ungeklärte Fragen in der Medizin zu finden.

Es hat sich herausgestellt, dass unter einem der thrakischen Grabhügel in Karanowo ein hervorragender Arzt seiner Zeit beigesetzt wurde. Dort wurde ein Satz aus 18 chirurgischen Instrumenten gefunden. Sie wurden aus Bronze gefertigt und mit Silber und Gold inkrustiert. Es ist interessant, wie wenig sie sich von den modernen Instrumenten unterscheiden, sagt Dr. Klassimir Koew. Das ist ein Beweis für die hohe Entwicklung der medizinischen Wissenschaft bei den Thrakern und generell in der Antike.

Eines der gefundenen Instrumente erinnert ungemein an den Davielschen Löffel, ein Instrument für Augenoperationen beim grauen Star. Er wurde zum ersten Mal 1741 vom Jacques Daviel, Leibarzt des französischen Königs Ludwig XV., eingesetzt.
Unter den übrigen Instrumenten gibt es eine Kürette. Sie erinnert an diejenigen, die bei Hagelkorn-Operationen eingesetzt werden. Es wurden auch einige Pinzetten gefunden, die mit der heutigen chirurgischen Pinzette identisch sind.

Nach Ansicht des bekannten Ophthalmologen sind eingehendere Untersuchungen dieser Funde erforderlich. Bisher ist nicht bekannt, ob solche Instrumente anderswo gefunden wurden. Dr. Koew meint, dass die Werkzeuge, die dem antiken thrakischen Arzt gehörten, für komplizierte Operationen von einem Team aus mehreren Personen eingesetzt wurden. Das wiederum lässt vermuten, dass es bei den Thrakern eine organisierte Form von Krankenbehandlungen gab.

Das Vorhandensein dieses Satzes von medizinischen Instrumenten, die dem in einem der 26 thrakischen Grabhügeln in Karanowo beigesetzten Arzt gehörten, zeugt nicht nur von seinem hohen sozialen Status, aber auch, dass er fast dem Status der thrakischen Herrscher gleich war. Das zeugt auch von der hohen Bedeutung, die die Thraker der medizinischen Wissenschaft und Praxis beimaßen.

Im nordöstlichsten Ort in Bulgarien Durankulak wurden 10.000 Jahre alte Schädel von Menschen gefunden. Auf ihnen wurden Spuren von Trepanationen mit einem sehr feinen Kreis gefunden. Dort wurden jedoch keine Instrumente entdeckt. Ähnliche Trepanationen sollen die Azteken und die Maya gemacht haben.

Die angestrebte Bewahrung und Popularisierung des kultur-historischen Erbes in Bulgarien bewegten Dr. Koew und andere bulgarische Intellektuelle zur Gründung der Vereinigung „Großbulgarien“. Den Vorsitz hat die Journalistin Patrizia Kirilowa und zu den Gründern gehört auch Professor Evgenij Satschew, Fachmann für das kultur-historische Erbe und die nationale Sicherheit.

Eine Expedition der Vereinigung im letzten Sommer war dem Studium der Funde beim Dorf Karanowo, und insbesondere des Satzes chirurgischer Instrumente gewidmet, die im archäologischen Museum von Nova Zagora ausgestellt sind.

Übersetzung: Vladimir Daskalov
Foto: Dr. Klassimir Koew

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