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Das Denkmal der Gründer des bulgarischen Staates bei Schumen

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Foto: bulgariatravel.org

"Im Schritt der Zeit" hatte ein Graffiti-Schmierer auf das Denkmal der sowjetischen Armee in Sofia geschrieben, dessen Soldatenfiguren die Farben von modernen Comicshelden verpasst worden waren. Schritt mit der Zeit will auch das riesige Monument der Gründer des bulgarischen Staates bei Schumen halten, das mit seinem Ausmaßen und Respekt einflößenden Figuren beeindruckt. Einzelheiten über das Denkmal erfahren wir von Rusanka Zanewa vom Geschichtsmuseum in Schumen. Sie erinnert sich noch genau an dessen Einweihung am 28. November 1981.

Снимка"Es war ein kalter Herbstag mit leichtem Schneefall", erzählt Rusanka Zanewa. "Zugegen waren der damalige Regierungschef Todor Schwikow und Pentscho Kubadinski, der die Projektierungs- und Bauarbeiten leitete. Inmitten des Wirrwarrs hatte der Wachschutz dem Bildhauer Krum Damjanow, dem Schöpfer des Denkmals, den Zutritt zur Einweihungszeremonie verweigert. Ich zählte damals zu den ersten offiziell ernannten Reiseführern. Die Mittel für den Denkmalbau wurden aus der Staatskasse bereitgestellt. Bei den Endarbeiten 1983 war ich persönlich dabei. Alle waren enthusiastisch und mit Hingabe bei der Sache. Die Leute waren sehr stolz auf das 1300. Gründungsjubiläum unseres Staates. In den Folgejahren ging es dann weniger enthusiastisch zu. Das Denkmal der Gründer des bulgarischen Staates vereint mehrere Arten von Kunst – Architektur, Skulpturen, Mosaiken und Reliefs mit Inschriften aus altbulgarischen Chroniken. Damit wird die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung Bulgariens vom 8.-10. Jahrhundert auf einzigartige Weise nachgestellt. Das Denkmal aus acht hohen Betonkörpern ist bereits aus 30 km Entfernung zu sehen. Nach mathematischem Progressionsprinzip erbaut, erweckt es den Eindruck der Neigung. Obenauf befindet sich eine Löwenstatue. Ursprünglich sollte das Denkmal nicht mehr als 600 Tonnen auf die Waage bringen. In der Folgezeit wurden die Pläne jedoch geändert. Allein der Löwe wiegt 1.000 Tonnen. Im Inneren des Denkmals präsentieren sich die Skulpturen mit modernem Sound. Für die Kinder sind es bulgarische Helden, die sie an die Stars aus The Transformers erinnern. So zieht unser Denkmal auch Besucher an, die eine andere Sichtweise auf die Dinge haben."

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Das solide Denkmal wurde als Pyramide entworfen und für die Ewigkeit erbeut.

Снимка"Einige der Skulpturen sind riesig und grob. Doch auch die Epoche, die sie verkörpern, war düster und grausam", erzählt Rusanka Zanewa vom Geschichtsmuseum Schumen. "Im ersten Abschnitt ist die heidnische Periode dargestellt – angefangen vom Staatsgründer Khan Asparuch über den Diplomaten Khan Terwel, den Gesetzgeber Khan Krum bis hin zum Baumeister Khan Omurtag. Die Lieblingsstatue des Bildhauers Krum Damjanow ist Fürst Boris I. mit dem Beinamen – der Täufer. Seine Skulptur erscheint furchtbar und unerschütterlich und erinnert daran, dass die Christianisierung mit Gewalt und Brutalität durchgesetzt wurde. Er steht scheinbar gerade von seinem Thron auf, schaut nach vorn und sagt mit seinem rauen Blick, wir müssen einig sein, die Christianisierung ist ein politischer Akt und alle meine Christianisierungsbemühungen haben stichhältige Gründe. Deshalb sind die Betonblöcke oberhalb der Fürstenfigur auch so angeordnet, dass die Spalten zwischen ihnen ein Kreuz bilden, durch das scheinbar göttliches Licht strömt. Auch dem slawischen Schrifttum, das sich 20 Jahre nach der Christianisierung durchsetzt, kommt zentrale Bedeutung zu. Der Sohn von Boris, Zar Simeon, ist als stattlicher Mann dargestellt, der in der Zeit des kulturellen Aufschwungs die Staatszügel fest im Griff hat. Die Nachforschungen in den Ruinen der ersten bulgarischen Reichshauptstädte haben die große Zahl von Kirchen und Klöstern zutage gebracht, die in jener Zeit gebaut wurden. In ihnen wurden Liturgiebücher übersetzt und Werkstätten eingerichtet, in denen man die ersten Altäre, Kirchenmosaiken und Ikonen fertigte. Der geistige Aufschwung des Staates spiegelt sich in der Entfaltung der einzelnen Betonkörper wieder. Die 1.300 Stufen als Bindeglied zwischen den Elementen wiederum erinnern an die grandiosen Feierlichkeiten zum 1300. Gründungsjubiläum unseres Staates."

Übersetzung: Christine Christov

Fotos: Gergana Mantschewa und bulgariatravel.org

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