Bulgarischer Nationaler Rundfunk © 2020 Alle Rechte vorbehalten

Kostadin Genchev: „Folklore ist eine unerschöpfliche Quelle“

Die Volksmusik ist für den populären Hirtenflötenspieler Kostadin Genchev Berufung und Leben zugleich. Unlängst beging er seinen 50. Geburtstag.

In all den Jahren seines Schaffens hat er sich als ein virtuoser Instrumentalist, Arrangeur von Liedern, Melodien und Reigen, Komponist von Musik auf Folkloregrundlage für Filme und Theaterstücke sowie als ein bemerkenswerter Teilnehmer verschiedener in- und ausländischer Projekte erwiesen. Ferner gehört er zu den Gründern der experimentierfreudigen Gruppen „Bulgara“ und „Diva Reka“ (zu Deutsch „Wilder Fluss“), die sich besonders unter den jüngeren Generationen großer Beliebtheit erfreuen und als Erscheinung im Genre eingestuft werden.

Der Erfolg des Künstlers ist vor allem auf seine Hingabe zur Volksmusik, aber auch auf sein solides Wissen und Können zurückzuführen, die er sich an der Nationalen Folkloreschule „Philipp Kutew“ in Kotel und der Musikakademie „Pantscho Wladigerow“ in Sofia angeeignet hat. Wertvolle Erfahrungen hat er im Folkloreensemble „Sliwen“, dem Nationalen Folkloreensemble „Philipp Kutew“ und während seiner derzeitigen Arbeit als Solist des Folkloreorchesters des Bulgarischen Nationalen Rundfunks sammeln können.

Jede Periode im Leben ist in Bezug auf den künstlerischen Werdegang wichtig, wie es bei mir der Fall gewesen ist“, sagte uns Kostadin Genchev und fügte hinzu: „Ich versuche, stets etwas Neues zu bieten, das sich vom bisherigen unterscheidet und gleichzeitig mit Geschmack und Ästhetik auszeichnet – entsprechend dem, was ich in all den Jahren gelernt habe. Ich hoffe, dass es den Zuhörern gefällt und sie es zu schätzen wissen. Natürlich bildet die Folklore den Grundstein. Sie wurde mir in die Wiege gelegt; sie war meine erste Berührung mit der Musik. Mit den Jahren habe ich meine Sicht erweitert und habe mich auch mit klassischer Musik auseinandergesetzt. Ich studierte Komposition – ein sehr unterschiedliches, reiches und ernstes Fach. Wenn ich zurückschaue, erkenne ich, dass mich auch der Jazz und die Weltmusik beeinflusst haben. Ich hoffe, dass ich auf dem rechten Weg bin.

Die Folklore flößt der Musik neue Kräfte ein. Die besten symphonischen Werke bulgarischer Komponisten basieren auf der Folklore. Bulgarien ist zwar ein kleines Land, besitzt jedoch eine äußerst interessante geographische Lage. Durch unser Land sind verschiedene Völker mit ihren Kulturen gezogen und sie alle haben uns etwas hinterlassen. Aus diesem Grund ist unsere Folklore eine schier unerschöpfliche musikalische Quelle.

Meine musikalische Welt steht in engem Bezug zum Ethno-Jazz und der Weltmusik. So sieht meine musikalische Suche und die meiner Kollegen von den Gruppen „Bulgara“ und „Diva Reka“ aus. Wir machen interessante Musik, die bisher stets sehr gut beim Publikum angekommen ist.

Die Gruppe „Bulgara“ ist etwas Einzigartiges! Demnächst wird sie 20 Jahre alt und erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. Wir haben ein interessantes Konzept und machen mit unserer Solistin Eva Perchemlieva neue Dinge zusammen, wie Cover verschiedener Songs, einschließlich Volkslieder.

Häufig wenden wir uns alter, fast vergessener Stücke zu und hauchen ihnen neues Leben ein, denn die gute Musik hat ein langes Leben. Ich habe ferner Musik für den Historischen Park bei Warna geschrieben. Das ist ein sehr interessantes Projekt heimatverbundener Bulgaren. Die Musik stellt die verschiedenen historischen Epochen Bulgariens vor, angefangen bei der Steinzeit bis zum Zweiten Bulgarenreich und den Fall unter osmanische Fremdherrschaft.“

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: BNR und Privatarchiv


mehr aus dieser Rubrik…

Kukeri verteiben böse Geister am Käsefastensonntag

Die Idee des Brauchs um die Schembartläufer, in Bulgarien Kukeri genannt, ist, das Sterben und Aufleben der Natur zu zeigen – etwas, was im Glauben der Bulgaren verschlüsselt und fest verankert ist. Dem Brauch liegt die Nachahmung des Pflügens,..

veröffentlicht am 26.02.20 um 16:01

Ausstellung zeigt die Bulgarin von heute durch das Prisma der Traditionen

Am Montag, den 3. Februar wird im Städtischen Kulturinstitut „Nadeschda“ in Sofia eine Fotoausstellung eröffnet. Darin beleuchtet die Autorin Anita Kjosewa die bulgarische Folklore aus der Sicht der Gegenwart und die Symbiose zwischen der modernen..

veröffentlicht am 02.02.20 um 10:25

Galina Durmuschlijska: Das Volkslied ist für mich Glück und Therapie

Galina Durmuschlijska ist nicht nur als eine glänzende Sängerin der Volkslieder der Dobrudscha bekannt, ihre Interpretationen gelten schlechthin als ein Markenzeichen traditioneller bulgarischer Kultur. Kenner nennen sie die „Nachtigall der..

veröffentlicht am 01.02.20 um 10:15