Dimitar Peschew - einer der Retter der bulgarischen Juden

Das Museumshaus von Dimitar Peschew in Kjustendil
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Vor 40 Jahren starb der bekannte Politiker Dimitar Peschew, einer der Retter der bulgarischen Juden in den Jahren des Zweiten Weltkrieges.

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Dimitar Peschew wurde am 25. Juni 1894 in der westbulgarischen Stadt Kjustendil geboren. Er studierte Jura und war Richter und Staatsanwalt, dann – Anwalt. Mit Politik begann er sich erst seit 1935 zu beschäftigen. Er wurde Justizminister in der Regierung von Georgi Kjoseiwanow. 1938 wurde Dimitar Peschew zum Volksvertreter gewählt. Er wurde Vizepräsident der 24. und 25. bulgarischen Volksversammlung.
1941 trat in Bulgarien das sog. Gesetz zum Schutz der Nation in Kraft, das vom Parlament trotz des Widerstandes von Abgeordneten und verschiedenen gesellschaftlichen Organisationen verabschiedet wurde. Das Gesetz enthielt eine Reihe von Einschränkungen der Rechte der Juden. Die Regierenden schlossen im gleichen Jahr ein Bündnis Bulgariens mit Deutschland ab. Als einer der Führer der parlamentarischen Mehrheit hat sich Dimitar Peschew weder der Verabschiedung des Gesetzes zum Schutz der Nation, noch dem Beitritt Bulgariens zur Achse von Deutschland und Italien widersetzt. Später forderte Adolf Hitler aber die Verfrachtung der bulgarischen Juden in die Konzentrationslager und von bulgarischen Truppen als Kanonenfutter an die Ostfront. Bulgarien willigte jedoch bei keinem von beiden Forderungen ein. In der dramatischen Geschichte der Rettung von 50.000 bulgarischen Juden spielte der stellvertretende Parlamentspräsident Dimitar Peschew eine Schlüsselrolle.

Am 9. März 1943 besuchte ihn eine Abordnung seiner Geburtsstadt Kjustendil. Dazu gehörten der Abgeordnete Petar Mihalew, der Händler Assen Suitschmesow, der Geschichtslehrer Wladimir Kurtew und der Anwalt Iwan Momtschilow. Sie teilten Dimitar Peschew mit, dass die Deportierung der dortigen Juden im Geheimen vorbereitet wird. Dimitar Peschew reagierte unverzüglich. Der Premierminister Bogdan Filow weigerte sich ihn und die Abgesandten aus Kjustendil zu empfangen. Aber nach Unterredungen mit dem Innenminister Gabrowski wurde die Vorbereitung zur Deportation eingestellt. Inzwischen begannen Proteste in der Volksversammlung. Dimitar Peschew und weitere 42 Abgeordnete schickten am 17. März einen Brief an den Regierungschef Bogdan Filow mit der Forderung, die Deportation völlig einzustellen. Der Gegenschlag des Premierministers war die Ansetzung von Dimitar Peschew vom Posten des Vize-Parlamentspräsidenten. Aber die Proteste weiteten sich aus. Am Kampf um die Rettung der Juden beteiligten sich nun auch die Bulgarische orthodoxe Kirche, Intellektuelle und Vertreter der Opposition. Die weiteren Versuche, die „Judenfrage“ in Bulgarien „zu lösen“, scheiterten ebenfalls.

Dimitar Peschew riskierte viel. Seine Feinde drohten ihm unverhohlen, dass falls sich Deutschland von der Niederlage bei Stalingrad erholen sollte, er der Gestapo übergeben wird. Ironischerweise kam es anders. Im September 1944 kam die pro-sowjetische Regierung der Vaterländischen Front an die Macht. Alle, die in Zeiten des Bündnisses mit Nazi-Deutschland an der Regierung waren, wurden zur Rechenschaft gezogen. 1945 wurden durch Urteile des sog. Volksgerichtes eine Reihe führender Politiker hingerichtet, viele davon frühere Volksvertreter. Dimitar Peschew entging der Hinrichtung – im Gericht wurde daran erinnert, dass er Mitte der 30er Jahre den Verschwörer Damjan Weltschew vor dem Todesurteil gerettet hat, der in der neuen Regierung Verteidigungsminister war. Dimitar Peschew kam ins Gefängnis und wurde nach einem Jahr freigelassen, wohl auf Fürsprache der bulgarischen Juden. Er lebte in Vergessenheit bis zu seinem Tod 1973.

Die Verdienste von Dimitar Peschew wurden nach der demokratischen Wende von 1989 in Bulgarien anerkannt und auch im Ausland bekannt. Er wurde mit dem schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg verglichen, der ungarische Juden rettete, sowie mit dem deutschen Geschäftsmann Oskar Schindler, der durch den Spielberg-Film „Schindlers Liste“ unsterblich wurde. Dimitar Peschew wurde zum Ehrenbürger Israels erklärt, zu seinen Ehren wurde ein Baum im Garten der Gerechten in Jerusalem gepflanzt. Eine Büste von Dimitar Peschew steht im Gebäude des Europarates in Strassburg. Die internationale Raoul-Wallenberg-Stiftung hat eine Medaille mit seinem Bild herausgegeben. In seiner Geburtsstadt Kjustendil wurde ein Museum ihm zu Ehren errichtet. Er erhielt die höchste bulgarische Auszeichnung – den Orden „Stara Planina“.

Es lohnt sich seine Erinnerungen aus dem Monat März 1943 zu lesen: „Und ich beschloss alles, was in meinen Kräften steht, zu tun, damit nicht das geschieht, was geschehen sollte und was das Ansehen Bulgariens in der Welt beschädigen und einen Flecken auf seinem Ansehen bedeuten würde, den das Land nicht verdient.“

Übersetzung: Vladimir Daskalov

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