Gigantische Reptilien lebten einst in unseren Breiten

Dr. Latinka Christowa: „Ein Teil der Dinosaurier ist ausgestorben, andere erfreuen uns bis heute mit ihrem Gesang“

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In urgeschichtlicher Zeit herrschten auf der Erde Reptilien mit atemberaubenden Ausmaßen. Obwohl die Geologen lange Zeit der Ansicht waren, dass sich in unseren Breiten damals ein Meer befand, hat es offensichtlich auch eine Insel geben, die Teil des europäischen Archipels gewesen ist, das von Dinosauriern verschiedenster Art und Größe bewohnt war.

Vor 84 Millionen Jahren befand sich dort, wo heute Europa liegt, inmitten eines warmen Meeres eine Vielzahl an Inseln. Es wimmelte an Leben – davon legen die Versteinerungen von Schildkröten, Krokodilen, Pollen verschiedener Bäume, aber auch Dinosauriern Zeugnis ab. Die Wissenschaftler bezeichnen sie als „Insel-Zwerge“, weil sie mangels an Raum und genügend Nahrung nicht jene monumentale Größe erreichten, wie die Arten in jenen Teilen des Festlands, das heute zu Nord- und Südamerika gehört.

Erste Spuren der urzeitlichen Reptilien in Bulgarien wurden im Jahre 1981 von Speläologen in der Nähe des Dorfes Draschan bei Wratza in Nordwestbulgarien entdeckt. Ihnen waren versteinerte Knochen aufgefallen, die aus einer Höhlenwand herausragten.

Die ersten Funde stammen aus der Höhle, genannt „Das Labyrinth“ und sie gehören Dinosauriern der Gruppen der Ornithomimosauria(„Vogelnachahmerechsen“) und der Hadrosauridae („Entenschnabelsaurier“) an“, erläutert Dr. Latinka Christowa vom Nationalen Naturkundemuseum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften in Sofia. „Ihre Überreste sind auf verschiedene Weise in die Meeressedimente gelangt. Der Ornithomimosaurier ist auf dem Festland verendet, während die anderen Tierkadaver von Wasserströmungen hierhergetrieben wurden und später fossilisiert versunken sind.

Der nächste Dinosaurierfund auf heute bulgarischem Boden war ebenfalls reiner Zufall. Im Jahre 2012 machte der Hobby-Paläontologe Andrej Zonkow im Gebiet der westbulgarischen Stadt Tran einen Spaziergang, um fossilisierte wirbellose Tiere zu sammeln. In einem kleinen Bach stieß er auf einen Knochen des wohl größten Reptils. Drei Jahre später entdeckte eine Expedition unter der Leitung von Dr. Latinka Christowa das Konglomerat an Dinosaurierknochen, aus dem der Einzelknochen stammte, und im vergangenen Jahr begannen die Ausgrabungsarbeiten.

Leider handelt es sich bei den bei Tran entdeckten Knochen um Bruchstücke, die zudem schlecht erhalten sind, so dass anhand ihrer äußeren Morphologie nur schwer eine Zuordnung möglich ist. Wir gehen davon aus, dass es sich um drei Gruppen Dinosauriern handelt“, sagt die Paläontologin. „Die ersten entdeckten Fragmente stammen von Titanosauriern, der andere Knochen gehörte wahrscheinlich einem großen fleischfressenden Dinosaurier - einem Theropoden, der andere Dinosaurier und Tiere angegriffen hat, um sich von ihnen zu ernähren.

Die Dinosaurier herrschten auf der Erde ganze 165 Millionen Jahre. Vor 65 Millionen Jahren führte jedoch eine Reihe von Ereignissen zu ihrem Aussterben. Heftige Vulkanausbrüche in der Region des Indischen Subkontinents veränderten das Paläoklima. Zudem fiel ein riesiger Meteorit in den Golf von Mexiko, was ein Massensterben verursachte.

Im Unterschied zu den Dinosauriern ist die Menschheit drauf und dran sich selbst zu vernichten.

Wir sind der größte Feind nicht nur des gesamten Planeten, sondern auch der Menschheit selbst“, meint entschieden Dr. Latinka Christowa. „Die Organismen können sich nicht so schnell an die schnell voranschreitende globale Erwärmung anpassen und können auch nirgendwohin auswandern, weil wir ihren gesamten Lebensraum beherrschen. Neben dem schnellen Klimawandel ist auch eine Überbevölkerung präsent. Zudem produziert der Mensch Unmengen an Müll; selbst in entlegensten Orten, wie dem Marianengraben – der tiefsten Stelle des Weltmeeres, wurden Plastikabfälle gefunden. Im Unterschied zu den Dinosauriern können wir eine Wahl treffen. Die Politiker müssen endlich begreifen, was ihnen die Wissenschaftler sagen, falls wir uns retten wollen. Wenn wir jetzt keine Maßnahmen treffen, könnte es in 20 oder 30 Jahren bereits zu spät sein.“

Obwohl wir uns von den großen Ungeheuern, die einst auf der Erde schritten, nur anhand ihrer Überreste ein Bild machen können, leben einige ihrer Verwandten immer noch unter uns:

Es sind nicht alle Dinosaurier ausgestorben, wenn man so sagen darf“, versichert Dr. Latinka Christowa. „So merkwürdig es auch klingen mag, wenn man die Säugetiere und überhaupt alle anderen Arten auf der Erde mit den Vögeln vergleicht, die von den Theropoden abstammen und das Massenaussterben der Dinosaurier überlebt haben, muss man feststellen, dass die Artenvielfalt der Vögel viel größer ist, als die der Säuger. Es ist also nur ein Teil der Dinosaurier ausgestorben, viele andere fliegen weiterhin um uns herum und erfreuen uns mit ihrem Gesang und ihrem bunten Federkleid. Falls es das große Artensterben der Dinosaurer nicht gegeben hätte, wäre der menschliche Intellekt nicht geboren worden, der leider weniger mit guten Dingen, als vielmehr mit seiner Zerstörungswut in Verbindung gebracht werden kann.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: Privatarchiv

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