Mit dem Dampfer „Radetzky“ zum freien Bulgarien

Foto: BGNES

In der Nacht zum 17. Mai des Jahres 1876 brach von der rumänischen Donaustadt Giurgiu eine Freischar von bulgarischen Emigranten in Richtung Bulgarien auf, um ein Zeichen für den Befreiungskampf gegen die 500-jährige türkische Fremdherrschaft zu setzen. An der Spitze der Freischar stand der Dichter und Freiheitskämpfer Hristo Botew. Sie stiegen an Bord des österreichischen Raddampfers „Radetzky“, wo sich ihnen weitere Mitstreiter anschlossen. Ihr Ziel war es, den Revolutionskreis von Wraza nach dem Ausbruch des Aprilaufstandes im selben Jahr zu unterstützen. Als das Schiff in die Nähe der Stadt Kosloduj kam – damals noch ein Dorf – zwang Botew den Kapitän des Schiffes, die Freischar an Land zu setzen und sie brachen dann in Richtung des Balkangebirges auf.

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Wie sich die Ereignisse auf dem Dampfer weiter entwickelten, erzählt die Direktorin des Museums-Schiffes „Radetzky“ Ljudmila Damjanowa: „Nachdem Botews Männer an Land gegangen waren, machte sich Kapitän Dagobert Engländer zum nächsten Hafen auf. Dort meldeten die Passagiere den türkischen Behörden, dass eine bewaffnete Gruppe am Ufer bei Kosloduj ausgestiegen ist. Der Kapitän wurde verhört. Er sagte aus, dass gegen ihn und der Mannschaft keine Gewalt angewendet wurde und dass sie sich freundschaftlich getrennt hätten. Er sagte ferner, er hätte kaum einen so eindrucksvollen und energischen Mann wie den Anführer der Freischar getroffen."

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Im Gebirge erhielt die Schar aber nicht die erwartete Unterstützung von den örtlichen Revolutionskomitees und war genötigt, auf sich allein gestellt, Gefechte gegen zahlreiche türkische Milizen und danach auch gegen reguläre Truppen zu führen. Am 20. Mai (nach dem alten Kalender – dem 2. Juni nach dem neuen) fiel Hristo Botew. Sein Tod demoralisierte die Mitglieder der Freischar, die Organisation zerfiel und sie wurde zerschlagen. Die Kämpfe der Freischar von Hristo Botew bildeten den tragischen Schlussakkord des im Blut ertränkten April-Aufstandes. Der Widerhall des Aufstandes erschütterte aber Europa und stellte letztendlich die Weichen für die Befreiung unseres Landes.

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Der 2. Juni wird jetzt in Bulgarien als Tag des Gedenkens an Hristo Botew und die Gefallenen für die Freiheit und Unabhängigkeit des Landes begangen. An die Heldentat Botews erinnern nun das Museumsschiff „Radetzky“, dass bei Kozloduj in der Donau ankert. Es ist eigentlich eine Kopie, denn der originale Dampfer „Radetzky“ wurde 1924 von der österreichischen Schiffsgesellschaft verschrottet.

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Die Idee, ein solches Museumsschiff einzurichten, kam von der Journalistin Liljana Losanowa zum 90. Todestag von Hristo Botew“, erzählt Museumsdirektorin Ljudmila Damjanowa. „Sie arbeitete in der nationalen Zeitung für Schüler „Septemwrijtsche“ und initiierte im Jahr 1964 eine Kampagne dafür. Im Laufe von zwei Jahren brachten insgesamt 1,2 Millionen Kinder das nötige Geld zum Aufbau des Museums auf.“

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Das Schiff wurde in der Werft in der bulgarischen Donaustadt Russe nachgebaut und gehört heute zu den 100 Nationalen touristischen Objekten in Bulgarien. Das Schiff ist zwar nicht das Original, doch darin sind Exponate vom echten Dampfer „Radetzky“ zu sehen, wie zum Beispiel das Tintenfass von Kapitän Engländer, das von Neffen des Kapitäns – Alois Engländer – dem Museum gespendet wurde, erzählte Ljudmila Damjanowa.

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Die Historiker wissen nicht, was mit der Fahne der Freischar von Hristo Botew geschehen ist. Wahrscheinlich ist sie irgendwo im Gebirge bei Wraza verloren gegangen. Im Museumsschiff ist aber eine originalgetreue Kopie, die von Schülern des Gymnasiums in Wraza genäht wurde“, erzählt sie weiter. „Wenig bekannt ist, dass die Freischar etwa 200 Meter stromaufwärts vom jetzigen Standort des Schiffes an Land gegangen ist. Umstritten ist, ob dieser Platz schon vorher zum Anlegen von Botew und seinen Männern ausgesucht wurde oder ob es sich zufällig so ergeben hat“, sagte die Museumsdirektorin weiter.

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Im Jahr 2011 wurde das Museumsschiff generalüberholt und ist wieder in der Lage für kurze Fahrten abzulegen. Wegen des großen Interesses werden neben den vielen Standard- und Schülerausflügen jeden dritten Samstag von Juni bis September auch Familienfahrten organisiert und die Direktorin des Museums ist stets bereit, den Gästen die Geschichte von Hristo Botew und seiner Freischar zu erzählen.

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Übersetzung: Petar Georgiew

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