Unterwegs in der Heimatregion des hl. Iwan Rilksi

Boboschewo
Foto: Miglena Iwanowa

Zwei Zugstunden von Sofia entfernt erstreckt sich im Struma-Tal am Fuße des Wlahina die Stadt Boboschewo. In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft wiederum befindet sich das Dorf Skrino. Hier erblickte um 876 der Schutzpatron Bulgariens Iwan Rilski das Licht der Welt. Das belegen nicht nur die Legende, die man sich hier erzählt, sondern auch das vom hl. Patriarchen Euthymius verfasste Heiligenleben des Iwan Rilski.

Die Himmelfahrtskirche
Durch das Zentrum des veralteten – dennoch gemütlichen Städtchens und von blühenden Obstbäumen gesäumte Gassen schlendernd, erreicht man die Himmelfahrtskirche. Glaubt man den Bewohnern der Stadt zählt sie zu den imposantesten orthodoxen Gotteshäusern aus der Wiedergeburtszeit. 1850 beginnt man mit dem Bau der dreischiffigen Kirche, 1862 wird das Gebäude vollendet. Sie ist das Werk des berühmten Baumeisters Milenko aus dem Dorf Blateschnitza bei Radomir, der 1847 auch den Südflügel des Rila-Klosters errichtete. Ausgemalt wurde die Kirche von Stanislaw Dospewski, einem Vertreter der Samokower Schule, der an der Kunstakademie in Sankt Petersburg studiert hatte.

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Weiter geht es am Fluss entlang, hinauf auf den mit Flieder, Pfingstrosen und wildem Klatschmohn übersäten Wlahina-Berg. Er ist Anfang Mai ein wahrer Genuss für die Sinne. Der Weg führt in die Kreuz-Gegend (Krasta), wo sich ein herrlicher Ausblick eröffnet. Der rechterhand abgehende steile Trampelpfad, markiert mit weißen und roten Stofffetzen, endet auf dem Ruen-Gipfel. Bis nach oben braucht es schon ein wenig Puste, was jedoch mit einem berauschenden Ausblick auf die umliegenden Berge mehr als belohnt wird. Markiert wurde der Pfad von Ljubtscho Karadschow, einem Einheimischen, der sich in Eigeninitiative um die heiligen Stätten in der Region kümmert. Alle Orte mit Bezug zur Geschichte Bulgariens versieht er mit einem orthodoxen Kreuz und einer bulgarischen Flagge. Wir treffen Ljubtscho vor der Höhle, in der einst Iwan Rilski hauste. Von der Kreuz-Gegend bis zur Höhle sind es gerade einmal fünf Minuten zu Fuß.

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"Vor der Geburt von Iwan Rilski soll seine Mutter geahnt haben, dass ihr Sohn eines Tages ein großer Glaubensverfechter werden würde. Vor der Geburt von Persönlichkeiten wie dem hl. Seraphim von Sarow, dem hl. Sergius von Radonesch und dem hl. Antonius wussten die Mütter bereits im Vorfeld, dass ihren Kindern eine große Zukunft bevorsteht", erzählt Ljubtscho Karadschow. "Von klein auf wusste Rilski um seine ungewöhnliche Begabung. In der Vergangenheit nannte man solche Leute weiße Krähen. Rilski verdingte sich im Nachbardorf Wukowo als Rinderhirte. Dort gibt es eine Kultstätte mit einem Spalt, mit drei Höhlen. Als Kind hauste er in einer dieser Höhlen. Eines Tages, als er sich um seine Herde kümmerte, schwoll der Struma-Fluss an. Er war sehr erschrocken, da sich seine Kuh von der Herde getrennt hatte. Eifrig überlegte er, was er nun mit der Kuh und dem Kalb sowie mit der gesamten Herde anstellen solle. Er rollte seinen Pelz zusammen und schlug damit das Wasser des Flusses, wie der hl. Elia den Jordan. Das Wasser teilte sich und er gelang trockenen Fußes ans andere Ufer. Als die Leute das sahen, bekamen sie es mit der Angst zu tun und vertrieben ihn. Sie gaben Iwan Rilski jedoch ein Kalb, mit dem er in diese Höhle kam. Hier hauste er 1.000 Tage. Danach machte er sich auf zum Ruen-Kloster des hl. Dimitar – seinerzeit ein sehr bekanntes Kloster mit Mönchen aus der Mönchsrepublik Athos. Dort wurde er zum Mönch geweiht. Jahre später zieht er sich auf der Suche nach Einsamkeit in die Rila-Berge zurück, später in die Ljulin-Berge und danach erneut ins Rila-Gebirge, wo er 40 Jahre lang in einer Höhle haust."

Iwan Rilski ist für die vielen von ihm vollbrachten Wunder bekannt. Er half Menschen in Not, heilte von schweren Krankheiten. Mitte der 30er-Jahre des 10. Jahrhunderts gründete er das Rila-Kloster, das heute das größte geistliche Zentrum Bulgariens ist.

Das Ruen-Kloster
Das Ruen-Kloster, das heute seinen Namen trägt, befindet sich wenige Meter unterhalb der Höhle. Nach Ansicht der lokalen Bevölkerung zählt es zu den ersten Klöstern, die nach der Christianisierung des bulgarischen Volkes durch Fürst Boris I. entstanden sind. Auch hat es sich als Literaturzentrum einen Namen gemacht, in dem 1743 eine Klosterschule gegründet wurde.

Übersetzung: Christine Christov

Fotos: Miglena Iwanowa und Archiv

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