Plowdiw Jazz Fest 2018 – berauschendes Programm und unvergessliche Augenblicke für Publikum und Interpreten

Die vierte Ausgabe des Plowdiw Jazz Fests, die vom 31. Oktober bis zum 3. November veranstaltet wurde, bot überaus ansprechende Konzert- und Klubprogramme, eingebungsvolle Meisterklassen und Begegnungen mit den verschiedensten Künsten… Die Jazzer ihrerseits hatten die Möglichkeit, sich mit alten und neuen Kollegen zu treffen und zusammen zu musizieren. Unter ihnen waren nicht wenige ausländische Künstler, die unabhängig von Rang und Namen überrascht waren, in einem kleinen Land wie Bulgarien, reiche Jazz-Traditionen und zahlreiches Publikum vorzufinden.

Bereits am ersten Abend hob Eliane Elias (eine der besten Interpretinnen der Musik von Antônio Jobim) die Latte recht hoch. Die brasilianische Pianistin, Sängerin und Komponistin hat mehrmals einen Grammy erhalten, spielte in den 80er Jahren in der Gruppe „Steps Ahead“, mit der sie ein Album produzierte, hat danach einige Aufnahmen mit ihrem ersten Mann, den Trompeter Randy Brecker, gemacht und später auch mit ihrem zweiten Mann, den Bassisten Marc Johnson, mit dem sie in Plowdiw auftrat. „Ihr seid ein fabelhaftes Publikum! Ich habe nicht erwartet, dass das Konzert so phantastisch wird! Ich danke Euch!“, antwortete Eliane Elias auf den nicht enden wollenden Applaus.

СнимкаDena DeRose, ebenfalls eine Sängerin und Pianistin, stellte sich ihrerseits dem Publikum mit einem Trio bulgarischer Musiker vor, die das „Prins Claus Conservatorium“ in Groningen in den Niederlanden absolviert haben. Neben ihren 12 Alben blickt sie auch auf reiche Erfahrungen als Pädagogin an angesehenen Universitäten zurück. Auf Einladung des Groove Ateliers leitete sie in Bulgarien gleich mehrere Meisterklassen, eine davon in Plowdiw.

Es handelt sich um ein recht junges Festival, das jedoch glänzend veranstaltet wird“, sagte Dena DeRose. „Es ist ein Erlebnis, Teil dieses Festivals zu sein. Vorhin habe ich einige bulgarische Musiker gehört – sie spielten wunderbar, ihre Musik ging ans Herz. Die Menschen hierzulande lieben den Jazz; das merkt man. Ich habe von 2000 bis 2010 in Groningen unterrichtet. Dort lernten zu jener Zeit Atanas Popov, Nikola Goryalov, Dimitar Liolev, Boris Taslev, Boris Petrov u.a. Bereits damals beeindruckten sie mich als Musiker. Ich bin mit einigen von ihnen auf dem Festival aufgetreten und muss feststellen, dass sie sich weiterentwickelt haben und diese Musik innigst lieben. Ich hoffe, dass wir auch andere Möglichkeiten haben werden, zusammen zu musizieren. Ich würde gern nach Bulgarien wiederkommen; hier ist es wirklich herrlich.

СнимкаIn einem der Klub-Konzerte spielten Hristo Yotsov und die Jazz Cats in Fortsetzung ihres ersten Albums von vor zwei Jahren, das zu einem Erfolg wurde.

Das ist ein Projekt, in das ich alle Kräfte investiere“, verriet uns der Musiker. „Die Idee kam zufällig auf, als der Saxophonist Arnau Garrofé Farràs hierher kam. Er lebt nunmehr seit einigen Jahren in Bulgarien. Die „Cats“ hat sich als erfolgreich erwiesen – wir kommen gut miteinander aus, haben die gleiche Haltung zur Musik und eine ähnlich gelagerte Musizierweise. In den letzten Jahren hatte sich jeder von uns auf den Weg gemacht, etwas Neues zu machen und Konzerte zu geben. Unser Projekt erwies sich als eine Art Linse, die den Brennpunkt auf den Jazz richtete und das tat uns allen gut, zumal auch die Menschen Bedarf an dieser Art Musik haben. Im vergangenen Jahr haben wir das Projekt „Cats 1“ auf dem Jazzfest in Plowdiw vorgestellt. Nunmehr stand in Plowdiw „Cats 2“ auf dem Programm, was mich davon überzeugte, dass das Projekt auch ein zweites Album hergeben könnte. Es macht der künstlerischen Direktorin des Fests Miroslawa Katzarowa alle Ehre, dass sie neben den internationalen Jazz-Stars auch die besten einheimischen Musiker eingeladen hat. Das wirkt sich stimulierend auf sie aus und gibt ihnen die Gewissheit, dass sie durchaus nicht schlechter sind. Plowdiw war schon immer eines der Jazz-Zentren Bulgariens. Vor einigen Jahren gab es eine Jugend-Jazz-Bühne und ich habe hier oft gespielt. Plowdiw ist der passende Ort für Musikanten. Was das Format und das Programm anbelangt gehört das Plowdiw Jazz Fest zu den bedeutendsten in Bulgarien. Es ist sehr wichtig, dass dieses Festival an Schwung gewinnt, wichtig für die Stadt, für die bulgarische Musik und für unsere Einbeziehung in das Festival-Weltnetz.“

Großes Interesse wurde u.a. auch dem Duo Theodossij Spassow (Bulgarien) und Vlatko Stefanovski (Mazedonien) entgegengebracht. Viele ihrer Fans waren von weitem speziell angereist. Nicht minder interessant waren die zwei langerwarteten Konzerte. Das Dave Holland Quartett betrat die Bühne zusammen mit dem populären Saxophonisten Chris Potter. Jan Garbarek hatte sich seinerseits als Gast Trilok Gurtu eingeladen.

Dave Holland und Chris Potter

Es war für das Publikum ein Erlebnis, diese Weltstars live zu erleben, die bereits seit Jahrzehnten zur Weltelite der Musik gehören und das nicht wegen ausgeklügelter Medienkampagnen oder „Bühnentricks“, sondern weil sie aufrichtige und tiefsinnige Musiker sind. Sie sind zudem dazu berufen, neue Wege zu eröffnen und junge talentierte Musiker auf sie zu lenken.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

Fotos: plovdivjazzfest.com

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