Hristo Yotsov über den puren Jazz und das Album „Jazz Cats 2“

Foto: Privatarchiv

Am Donnerstag dieser Woche werden Hristo Yotsov und sein Quartett im Sofia Live Club das Projekt „Jazz Cats 2” vorstellen, das in Fortsetzung des überaus erfolgreichen ersten Albums der Gruppe entstanden ist. Das Projekt heißt „Jazz Cats“ – ein gängiges Pseudonym für die Jazzmusiker in aller Welt. Sie verstehen sich als Herr der Dächer, das Nachtleben, ständig vom Frühling und dem Neuanfang inspiriert und neugierigen Dingen und der Spontanität auf der Spur …

Das Projekt begann als reines Klub-Projekt – wir spielten zusammen, vereint von unseren Bebop-Interessen. Den konkreten Anlass für die Gründung der Gruppe gab (und das sage ich immer wieder) der Saxophonist Arnau Garofe – ein Spanier, der bereits seit Jahren in Bulgarien lebt. Ich habe ihn einmal gehört und beschloss, dass wir unbedingt zusammenarbeiten müssen“, erzählte uns der Schlagzeuger Hristo Yotsov, von dem die Musik beider Alben stammt. Die „Jazz-Katzen“ sind dem Klubpublikum in Bulgarien bereits bestens bekannt. Die Stücke aus dem ersten Album waren auf fast allen großen bulgarischen Festivals zu hören. Unlängst wurde das Album in den Katalog eines der großen US-amerikanischen Musikhäuser mit Vertretung in Europa aufgenommen.

Ich war davon überzeugt, dass wir ein zweites Album machen müssen“, setzt der Musiker fort. „Es geht stärker in die Richtung „Fusion“, wenn ich so sagen darf. Die Musik ist sinnvoll und verständlich. Ich bin stolz auf den Klang, den wir in meinem Studio erreicht haben. das Projekt hat Zukunft und das freut und inspiriert mich sehr, und bestätigt meine Überzeugung, dass wenn ein Mensch hartnäckig genug ist, er auch Erfolg hat. In Bulgarien gibt es viele gute Musiker, die qualitativ hochwertige Produkte schaffen und es ist an der Zeit, dass die Welt von ihnen erfährt. Seit einiger Zeit bin ich Vorsitzender der Bulgarischen Musikassoziation – eine Vereinigung der hiesigen Interpreten. Mein grundlegendes Ziel und auch mein Traum momentan ist, mit den großen Musiknetzen in der Welt in Verbindung zu treten und entschiedener ein Teil der europäischen Musikprozesse zu werden.

Die Aufnahmen für das zweite Album entstanden im Februar. Die Arbeit dauerte zwei Tage, an denen wir 5 bis 6 Stunden arbeiteten. Zwischen Jazz- und Pop-Alben besteht hinsichtlich der Aufnahme ein großer Unterschied. Beim Jazz gelingt es entweder beim ersten oder zweiten Mal, oder es geling überhaupt nicht. Der Klang unserer CD ist absolut natürlich, so in der Art einer Konzertaufnahme; die Bearbeitung erfolgte äußerst zurückhaltend. Die „handelnden“ Personen sind dieselben: Arnau Garofe (Tenor- und Sopransaxophon), Lubo Canev (Klavier), Dimitar Karamfilov (Kontrabass) und meine Wenigkeit. Das Programm ist völlig neu. Mit fällt es schwer, einige Titel besonders hervorzuheben, doch wenn ich es machen müsste, würde ich an erster Stelle „Giant Cats“ nennen. Es ist typischer Swing – die Stilrichtung, die unsere Gruppe zusammengeschweißt hat. Es ist Jazz pur. Der Titel „Red Moon Cats“ klingt ein wenig nach R&B, schwingt sich jedoch auf und ist das wohl dramatischste Stück.

Stellen sie sich ein Katze vor, wie sie hypnotisiert von einem roten Mond, ein Mantra der Ekstase immer näher bringt. Den dritten Titel, den ich nennen will, hat etwas mit dem „Kjutschek“ zu tun. Die Musiker meines Schlages haben eine rein ästhetische Abneigung gegen diesen orientalischen Tanz; er ist aber im Grunde genommen die rhythmische Formel der Welt. Man findet sie überall auf der Erde: in der kubanischen, indischen und afrikanischen Musik, in der europäischen Rumba, dem Bolero... Im vergangenen Jahr hörte ich auf dem Volksfest im Dorf Warwara eine Musik mit einem ähnlichen Rhythmus, die 2 oder 3 Personen an einem Lagerfeuer spielten. Die magische Atmosphäre wirkte sich stark auf mich aus – als ob die Natur in diesem natürlichen Rhythmus erwache. Ich denke, dass „Belly Dance Cats“ ein Volltreffer ist. Das erste Album wurde ein wenig kritisiert - man meinte, es sei zu „amerikanisch“. Nun haben wir also auch ein Ethno-Stück.

Produzent von „Jazz Cats 2“ ist Hristo Yotsov, wie übrigens aller seiner anderen Projekte. Das Album soll nun auf den Jazz-Festivals in Haskowo, Burgas, Bansko vorgestellt werden und im April und Mai werden die Musiker zwei Klub-Tourneen nach Burgas, Schumen, Plowdiw, Warna, Russe und Bukarest durchführen. Anfang Juli wird die Gruppe dann auf dem großen Jazzfestival im „The Park“ im rumänischen Cluj auftreten. Als Vorsitzender der Bulgarischen Musikassoziation, aber auch als Bandleader der „Katzen“ wird sich Hristo Yotsov zusammen mit den anderen bulgarischen Interpreten und Produzenten an der Weltausstellung „Womex“ und dem „jazzahead! Festival“ in Bremen beteiligen.

Übersetzung und Redaktion: Wladimir Wladimirow

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