Der DOMINO-Effekt oder wie die Berufsausbildung in Bulgarien ihr Comeback erlebt

Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat es in Bulgarien parallel zur allgemeinen immer auch die berufliche Bildung gegeben. In den frühen 1980er Jahren wurden die beiden Systeme in den sogenannten Bildungsberuflichen Komplexen vereint, die zusammen mit den technischen Gymnasien und den berufsbildenden mittleren Fachschulen eine sehr große Anzahl von Schülern heranzogen. Das Interesse an diesem Ausbildungsmodell ließ zu Beginn der demokratischen Wende in Bulgarien 1989 deutlich nach, aber in den letzten Jahren hat sich der Trend infolge des Arbeitskräftemangels in bestimmten Sektoren der Wirtschaft wieder umgekehrt. Vorreiter in diesem Bereich ist das Projekt „Schweizer Unterstützung zur Einführung dualer Ausbildungsprinzipien im bulgarischen Bildungswesen 2015-2019“, das durch das Programm DOMINO (eine Abkürzung von der bulgarischen Bezeichnung “Duale Ausbildung für die modernen Anforderungen und Bedürfnisse der Gesellschaft”) umgesetzt wird. Dank dieses Programms werden derzeit mehr als 1500 Schüler in ganz Bulgarien in 12 verschiedenen Berufen ausgebildet.

Das Projekt begann vor vier Jahren auf Wunsch des damaligen bulgarischen Regierung“, erzählt Petja Ewtimowa, die das Programm DOMINO leitet. „Zunächst wurde das duale Ausbildungsmodell an 10 Schulen in Bulgarien getestet. Inzwischen ist das Interesse daran so groß geworden, dass wir momentan 32 Schulen haben, die am Programm teilnehmen. Und außerhalb des Programms wenden weitere 78 Schulen das gleiche Ausbildungsmodell an. Das Besondere an diesem Modell ist, dass die Schüler aus der 11. und 12 Klasse drei Tage in der Woche in diversen Unternehmen und Firmen arbeiten, die in das duale Ausbildungssystem mit einbezogen wurden und mittlerweile bereits über 250 an der Zahl sind. Im Rahmen des Programms haben wir schon einige Absolventenjahrgänge, wobei der Beschäftigtenanteil unter ihnen bei etwa 70 Prozent liegt.

Damit das duale Ausbildungsmodell auch nach Abschluss des DOMINO Programms weiterhin erfolgreich funktionieren kann, wurden mit der Unterstützung des bulgarischen Ministeriums für Bildung und Wissenschaft wesentliche Änderungen am Berufsbildungsgesetz vorgenommen. Die Zahl der Berufe, die durch die duale Ausbildung erlernt werden können, wurde erweitert, wobei das größte Interesse Berufe wie Maschinentechniker, Elektriker, Kfz-Techniker und Elektrofahrzeugtechniker hervorrufen. Auch im Bereich der Möbelherstellung entwickelt sich die duale Ausbildung sehr gut, aber einen wahren Boom erlebt sie im Bereich der Tourismusdienstleistungen und insbesondere in der Gastronomie und im Gastgewerbe.

Das, was ich an diesem Beruf besonders attraktiv finde, ist die Liebe, die Leidenschaft und die Lust in der Küche“, sagt die 17-jährige Eleonora Angelowa, die an der Berufsschule für Tourismus in Dobritsch den Kochberuf nach dem dualen Ausbildungsmodell erlernt.

Ihr Mentor in der Welt der Kochkunst ist Chef Viktor Zhechev, Leiter des Lernrestaurants der Gastronomischen Akademie HRC.

Die Ausbildung, die ich an die zukünftigen Köche gebe, ist hoffentlich offen genug, damit sie dann ihre Wahl machen können, welche Küche sie spezialisieren möchten“, sagt Chef Zhechev. „Im Allgemeinen haben die Jungen und Mädchen, die ich ausbilde, unglaublich viel Potential. Viele von ihnen sind mittlerweile erfolgreiche Köche geworden und ich bin sehr froh, dass ich sie meine Kollegen und Freunde nennen darf.

Übersetzung und Redaktion: Mihail Dimitrov

Fotos: dominoproject.bg

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Foto: EPA/BGNES

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